Die Portraitsammlung - Dr. Senckenbergische Stiftung

Highlights

 

Franz Adickes

Franz Adickes, 1907

Fritz Boehle (1873-1916)
Öl auf Leinwand, 95 x 69 cm
Bildnis Franz Adickes (1846–1915)

Oberbürgermeister Franz Adickes präsentiert sich als Halbfigur in altmeisterlicher Manier. Er ist in einen dunklen, langen Mantel mit Pelzkragen und -futter gekleidet, wie ihn Patrizier im Mittelalter trugen. Er fixiert den Betrachter mit eindringlichem Blick. In seiner rechten Hand hält er ein Schriftstück, seine Linke hat er vorsichtig auf das Papier gelegt. Die Gesamterscheinung des Dargestellten erinnert an Bildnisse Albrecht Dürers um 1500.

Die anachronistisch-altertümliche Darstellung Adickes’ überrascht zunächst, denn man verbindet mit seinem Namen den zukunftsweisenden Politiker, in dessen Amtszeit als Oberbürgermeister von 1890 bis 1912 die Umgestaltung Frankfurts zur modernen Großstadt fällt.

Doch mit seiner zur Schau gestellten Bekenntnis zur Tradition versucht Adickes mit dem Werk gezielt gegen Kritiker anzugehen, die seiner Politik nur bedingungslose Fortschrittsgläubigkeit vorwarfen. Verweist doch die mittelalterliche Typisierung auf Adickes‘ Orientierung an einer idealen gesellschaftlichen Ordnung in der deutschen Geschichte, die man mit der Dürerzeit verband.

Zudem übergab der Frankfurter Kunstverein das Gemälde der Dr. Senckenbergischen Stiftung aus Anlass der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Stifters und des Umzugs ihrer Einrichtungen in neue Gebäude. Auch hier begegnete Adickes den Kritikern der Modernisierungsmaßnahmen, die zur Zersplitterung der Stiftungseinrichtungen geführt hatten, mit seiner Treue gegenüber traditionellen Werten als Grundlage seiner Autorität.

Fritz Boehle gehörte zu den Frankfurter Künstlern, die auch überregional Erfolge feiern konnten. Er studierte an der Städelschule und kehrte nach einem längeren Aufenthalt in München zu Beginn der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts und einer Italienreise 1897 nach Frankfurt zurück. Besonders seit 1899, als Hans Thoma an die Akademie in Karlsruhe gegangen war und man sich nach einem neuen ‘Star’ der Frankfurter Kunstszene umsah, erfuhr er entscheidende Förderung durch Franz Adickes. Sein Durchbruch gelang 1908 mit einer Ausstellung im Städel. Er beschäftigte sich mit Motiven des ländlichen Lebens, religiösen Inhalten sowie Ritter- und Heiligendarstellungen und setzte auf Bodenständigkeit und Volkstümlichkeit in seinen Werken bis hin zu deutschnationalen Themen.